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Donnerstag, 12. April 2018

Entscheidungsfindung

Heute ist ja noch arbeitsfrei (es soll nach "Wetter online" erst pünktlich zum Dienstantritt am Freitagabend hier wieder zu regnen beginnen) aber unterhaltungsmäßig ist mein Serienköcher gerade leer. Auch werden keine neuen Filme angeboten, die mein Interesse wecken würden. Also wollte ich mich über die Konserven hermachen, andernfalls käme ich noch auf die Idee, einen Frühjahrsputz in meinen heiligen Hallen zu veranstalten. Igitt, nein! Kinomäßiges Abdunkeln funktioniert auch: was man nicht sieht, ist nicht da.

Bei mehreren Terabyte an Filmen und Serien sollte die heutige Auswahl eigentlich auch kein Problem darstellen, nicht wahr? Dummerweise sehen die Dateien aber nicht wie DVDs im Regal aus, die man schön in die Hand nehmen und ihren Inhalt auf ihnen sehen und lesen kann. Seit Jahren schreibe ich nur die Filmtitel auf. Von Aberhunderten bin ich bei den meisten nun tatsächlich außerstande, am Titel zu erkennen, um was es sich dabei handelt. Anklicken, reinschauen und Achja-Momente abwarten, etwas anderes bleibt mir wahrscheinlich nicht übrig.

Deshalb hadere ich jetzt mit mir selber, denn es wäre sehr nützlich, pro Film eine knappe Inhaltsangabe zu tippen und sie als Dateiattribut jedem einzelnen Film hinzuzufügen. Wuahhh, wenn dem bloß nicht meine Faulheit im Wege stünde. Schon überlege ich nämlich, vielleicht doch den Staubsaugerbeutel zu entleeren und im Anschluss mit dem lärmenden Sauger durch die Wohnung zu kreuzen. Ein "Hoover Cruising" hört sich doch nett und ganz schön hip an. Ich befinde mich also justamente in einem Entscheidungsprozess, welche der beiden Tätigkeiten für mein seelisches Gleichgewicht wohl als angenehmer empfunden würde. Da beides aber in Wahrheit nicht gerade erstrebenswerte Freizeitvergnügen sind und noch dazu eine imaginäre innere Entscheidungshemmung spürbar wird, tippe ich gerade diesen mehr oder weniger nichtssagenden Tagebucheintrag in die Tastatur. So lange ich dies mache, brauche ich mich nicht zu entscheiden.

Und so schreibe ich los, Stunde um Stunde, tagein tagaus, über Jahre und Jahrzehnte hinweg. "Ach, deshalb führst du ein Weblog", ruft verzückt eine Stimme in mir, "du bist stinkefaul, entscheidungsschwach und dehnst verbal ein inhaltliches Nichts zu unendlich vielen Wörtern und ellenlangen Sätzen!". Tja, erwischt, würde ich da sagen, ich hab mich selber ertappt. "Und?", schleudere ich meinem kritischen Ich entgegen, "bist du denn besser? Kannst auch nur von morgens bis abends kritisieren".

In dieser Art eines munteren Zwiegesprächs verstreichen nunmehr Minuten und Stunden. Die Nachmittagssonne wird sich senken, bis dass der Abend in seinem schummrigen Licht ein Staubsaugen unmöglich macht. Und in eben diesem unzureichenden Licht soll man bekanntlich weder lesen noch schreiben, das bringen die Eltern weltweit seit jeher schon ihren Kindern bei. Was bleibt mir also übrig als alte Filme neu zu entdecken?

In diesem Sinne: erkunde doch während eines inneren Disputs mit deinem besseren Ich den Donnerstag einfach mal wieder neu. "Cruising Think Tank" - das hat auch was, gell?

Kommentare:

  1. Da hast du ja elegant um lästige Tätigkeiten herumgeschrieben.
    "Die Einkreisung" kommt am 19.4.Bis auf ein paar magere Sätze zum Plot weiß ich nichts darüber.
    Ich flöhe dieser Tage Mal wieder und sollte ich auf ein Juwel stoßen vermelden ich es.

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    1. Vielen Dank, so halten wir beide unsere Augen und Ohren offen. Eine (kurze) Pause ist gar nicht schlecht. Vielleicht - aber auch nur äußerst vieleicht - werfe ich nächste Woche mal the Hoovermashine an. So selte wie das vorkommt, kann ich ja eine bebilderte Reportage davon machen ;-)

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Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquids über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.