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Donnerstag, 8. Februar 2018

Serientipp "Absentia"

In den letzten beiden Tagen hatte ich die Serie "Absentia" gesehen; eine Staffel, 10 Folgen. Vorweg: erstklassig, auf der Skala von 1 bis 10 erhält sie von mir vollumfänglich eine satte 9.

Zuerst war ich aufgrund der Ankündigungen bzw. Beschreibungen ziemlich skeptisch. "Schon wieder so'ne irre Psycho-Alte mit Gedächtnisverlust", dachte ich. So etwas in Verbindung mit einem Thriller, dann auch noch als Thema mehrere Morde, die Hauptdarstellerin ist zusätzlich Ex-Polizistin, also das könne nur schiefgehen, so meine Vermutung. Weit gefehlt! Die Beschreibungen stimmen zwar faktisch, doch ist alles auch wieder ganz anders.

Zuerst ist da der Fall, also der rote Faden der Serie, der überhaupt nicht so abgedreht daherkommt, wie es üblicherweise in solchen Serien der Fall ist. Eigentlich - ohne jetzt großartig spoilern zu wollen - sind die Hintergründe und Umstände der Handlungen recht plausibel und einfach. Keine Hirngespinste diverser Autorinnen und Autoren, die auf Teufel komm raus angesichts der Überflutung des Serien-Marktes mit immer absurderen Fantasien die Zuschauenden zu fesseln versuchen.

Die Geschichte beginnt gemächlich und steigert sich erst langsam von Folge zu Folge zu einem rasanten Thriller, der einem ab der zweiten Hälfte der zehn Teile den Atem stocken lässt oder zu einem reinen Thriller-Vergnügen wird, je nach charakterlichem Strickmuster der Zuschauer. Alles ist vorhanden, Täuschungen, Irrungen und Wirrungen, wilde Verfolgungsjagden, Action und Tiefe. Eine weibliche Action-Heldin, so viel darf ich verraten. Dennoch handelt es sich dabei genauso wenig um eine Comic-Zeichnung hollywoodartiger B-Movies wie um schwülstige Skandinavien-Krimis; die Mischung aus unterschiedlichen Genres ist schon ziemlich eigen. "Absentia" ginge gleichsam als Thriller, als Krimi, als "Psycho-Dings" oder als stimmungsvolle Erzählung durch.

Dass in der guten Story die Darstellerinnen und Darsteller erstklassig spielen, brauche ich nicht weiter auszuführen, dasselbe gilt für die Regie, doch zur Filmmusik möchte ich gerne schon etwas schreiben: es ist eine reine Vermutung, also ein bloßes von mir hier und heute in die Welt gesetztes Gerücht, dass die Musik, die man eigentlich besser als Sound bezeichnet, da keine herkömmlichen Musikstücke gespielt werden, vom Spielfilm "Gravity" beeinflusst ist. Diese unterschwellige, leise und langsam ansteigende Tonwallung, die perfekt eine steigende Spannung akustisch wiedergibt, so etwas findet sich sehr ähnlich und genauso hervorragend aber sparsam eingesetzt ebenfalls in dieser Serie wieder. Im Ganzen empfand ich die musikalische Untermalung als außergewöhnlich und erstklassig. Unauffällig aber ungeheuer wirksam, laut und leise und bis zur maximalen Nervenanspannung, dabei sich selber aber nie in den Vordergrund drängend -  diesen scheinbaren Widerspruch zu erklären, fällt mir nicht leicht. Ob eine und wenn, welche Person für den Sound verantwortlich ist, weiß ich nicht, denn es ist offiziell nur von einem "Sound Department" bestehend aus 5 Namen die Rede, doch ihre Arbeit haben diese "Sound-Engineers" jedenfalls genial umgesetzt.

Weshalb die Serie von mir dennoch keine 10 Bewertungspunkte erhält, sondern eben "nur" 9, das kann ich kaum begründen. Vielleicht liegt es daran, dass Verletzungen der Protagonisten erstaunlich schnell verheilen und somit den betreffenden Charakteren die Menschlichkeit nehmen, wenn sie also beispielsweise trotz eines Bauchschusses wenige Tage später bereits sportliche Hürden meistern, die ich selber im gesunden und munteren Zustand noch nie zu vollbringen in der Lage gewesen war. Aber keine Sorge, nicht dass du jetzt an Supermann-Geschichten denkst, ich erwähnte ja bereits, "Absentia" ist keine solche Geschichte, eben kein Comic. Vielleicht fehlen die letzten Zehntel der Bewertung zur 10 lediglich wegen meines grundsätzlichen Desinteresses an Krimis; für mich ist das Drumherum eines Krimis immer interessanter als der eigentliche Fall und deshalb kann ich naturell-bedingt überhaupt fast keinen Krimi mit einer 10 bewerten. Dass ich dies bei "Babylon Berlin" trotzdem gemacht hatte, liegt am einmaligen deutschen Kontext dieser Serie sowie an ihrem einzigartigen Ambiente. Dennoch, eigentlich verdient "Absentia" auch eine 10.

Ansonsten nix erwähnenswertes Neues in the country of my life, einen schönen Donnerstag wünsche ich dir.

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