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Samstag, 6. Januar 2018

Die gefühlte Welt

Ist es nun eine veränderte Welt oder bin ich es, der sich verändert hat? Ich darf mal ganz grob zusammenfassen:

- In den 1960/70er Jahren erlebte ich viel Aufregendes und Neues, was aber natürlich ist, wenn man jung ist und zwar so jung, dass die Dinge, die man sieht und erfährt, zum ersten Mal wahrgenommen werden. Trotzdem lässt sich in der Rückschau sagen, dass gesellschaftliche Umbrüche und revolutionäre technische Neuerungen in jenen Jahren tatsächlich zum ersten Mal stattgefunden hatten, also erlebte nicht nur ich selber damals als junger Mensch viel Neues, sondern ebenso die seinerzeit älteren und erfahrenen Menschen.

- Die 1980er Jahre empfand ich als gähnend langweilig. Und das selbst während meiner persönlichen ziemlich aufregenden Zeit. Dennoch kann ich mich an Tage erinnern, an denen die Welt um mich herum satt und müde dahinkroch. Die Ära Kohl, zumindest mehr als ihre erste Hälfte, war geprägt - um es mal mit einem schlechten aber allgemein gebräuchlichen Begriff zu verdeutlichen - durch "Besitzstandsdenken": das Leben verlief in geordneten Bahnen, das Land war politisch geteilt in Links und Rechts der harmlosen Variante, der deutsche Terror war größtenteils überwunden und man wusste bei jedem Menschen, woran man war.

- Durch die Wende, die locker zwei Jahre benötigt hatte, um überhaupt in die Köpfe der westdeutschen Bevölkerung so richtig anzukommen, und durch den Kollaps der UdSSR brach in den 1990er Jahren das Jahrzehnt der Hoffnung und positiver Neuerungen an. Kunst, Kultur insbesondere Film und Musik erlebten Blütenzeiten ihrer Entwicklung, die Menschen des Alltags waren fröhlicher gestimmt als jemals zuvor und auch als jemals wieder danach. Subjektiver Eindruck, ich weiß. Ab Mitte der 90er Jahre kam das Internet hinzu, Clinton in den USA, globales Denken und globale Verantwortung - damals hätte ich Stein und Bein geschworen, dass wir uns alle an einer Zeitenwende hin zu einer One-World befänden. Optimismus und Aufbruch wohin man auch schaute. Und trotz des Balkan-Kriegs und Ruanda-Massakers herrschte viel Frieden - vor allen Dingen in den Herzen der meisten Deutschen.

- Mit Schlag "9/11" war dieses Jahrzehnt vorüber. So wie die stotternden Worte der Live-Berichterstattung im TV, so stotterte im Grunde jeder einzelne von uns, da man einfach nicht fassen konnte, was in New York geschah. Die positiven Visionen wurden binnen Kürze jede einzeln zu Grabe getragen. Fortan und bis heute bestimmt ein einziger Begriff sämtliche Überschriften, nämlich der der "Krise". Auch hier in Deutschland zerstörte Gerhard Schröder im persönlichen Alleingang kurz nach "9/11" die traditionsreiche SPD und damit das Gefüge der Nation. Die Gesellschaft befand sich noch in ihrem schock-gelähmten Zustand, das ist die einzige Erklärung, die ich für seinen damaligen Erfolg anzubieten hätte. Heute wäre eine solche "Basta-Politik" undenkbar. Unsere Gesellschaft hat sich bis jetzt nicht wieder davon erholt. Der ethische Niedergang fand in den 2000er Jahren statt und hält bis heute an, Jahr um Jahr rannte und rennt die Politik den Krisen hinterher: Wirtschaftskrise, Bankenkrise, Flüchtlingskrise, Eurokrise. Fortsetzungen werden sicher folgen. Die Lähmung der Menschen findet ihren Ausdruck in der Person der Kanzlerin Merkel, denn ohne sie wäre längst über uns das Chaos hereingebrochen. Die Wahl Merkels ist für viele wie der krampfhafte Versuch, altes und gewohntes festzuhalten.

Jetzt (in den kommenden zwei, drei Jahren) bricht die Zeit für einen Wechsel an, denn ein unentdecktes Jahrzehnt wirft bereits seine morgendlichen Schatten einer neuerlichen Veränderung übers Land. Man kann es heute bereits spüren, ja, es lässt sich beinahe sogar anfassen, wie eine künftige Ära die Gesellschaft erneut verändern wird. Ob positiv oder negativ, das ist schwer vorauszusehen, doch sie ist da, die neue Zeit, sie steht bereits an der Schwelle der Tür und klopft an.

Und was soll nun das Geschreibsel hier? Zwar in einer anderen Thematik, so finde ich dennoch sehr treffend und gut, wie Elisabeth es nennt: "Ist eben doch "nur" ein Blog. Und deshalb kann ich mich hier auch ein bisschen auslassen. [...] Für mich sind das keine Themen, die zur Diskussion stehen, sondern einfach nur Gedanken, die ich nieder schreiben wollte." Genauso sehe ich diesen meinen Beitrag heute auch.

Bis die Tage, man liest sich.

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