.

.

Montag, 6. November 2017

Zehenwärmer-Test, Teil 1

Jaaa, jetzt wirst du vielleicht sagen, dies sei ein alter Hut, auch ich wusste, dass es so etwas gibt, doch ausprobiert und für die Arbeit benutzt hatte ich das noch nie. Eisenpulver in Aktivkohle gemischt, das in Verbindung mit Sauerstoff Wärme entwickelt. Nun, gestern bzw. vorgestern, also in der Nacht von Samstag zum Sonntag, war es nicht kalt, sondern extrem nass. Ich habe 12 Stunden im Regen verbracht. Kurzzeitig "geschützt" war ich lediglich unter Dachvorsprüngen, ansonsten mit dem Fahrrad und zu Fuß auf alle Stunden verteilt rund 40 Kilometer im Regen unterwegs. Durch diese enorme Nässe in Verbindung mit dem Wind wirken 8 Grad kälter und unangenehmer als sie eigentlich sind. Richtig kalt wird es aber in der Nacht zum Mittwoch werden, und dann erst kann ich abschließend eine Wertung zu den Zehenwärmern abgeben.

Auch meine wasserdichte Kleidung blieb bei 12 Stunden nicht hundertprozentig dicht*. Eine solche Bekleidung gibt es nicht, sogar die Eskimos wärmen und trocknen am Abend ihre Kleidung. Feuchtigkeit dringt auf Dauer durch jede noch so kleine Naht oder Pore im Gewebe. Was vielleicht 4 Stunden lang trocken hält, versagt trotzdem bei 12 Stunden. Es kommt nur auf die Menge an und die Umgebungstemperatur: bleibt es unter der Kleidung warm, macht ein wenig Feuchte nichts aus, wie zum Beispiel leicht feuchte Knie oder Oberschenkel. Meine eigene Regenbekleidung ist ein Mix verschiedener Lagen und Stoffe. Insgesamt 4 Hosen im Winter: eine enganliegende lange Unterhose, darüber eine wärmende weite Baumwoll-Jogginghose, dann eine Skihose eine Nummer größer als normal und zum Schluss je nach Bedarf eine dünne Platik-Regenhose. Ähnlich fällt meine Oberbekleidung aus. Ihr Zusammenspiel bringt's dann: nass wird gar nichts und warm bleibt mein Körper sogar nach 12 Stunden relativer Untätigkeit im Regen. An beiden Körperenden ist eine solche Zwiebelei aber nicht möglich: Kopf und Füße. Warm hält am Kopf eine "Russenmütze" mit Hasen-Klappohren und relativ trocken bleibt sie unter einer dünnen Plastik-Regenmütze.

Nun komme ich zu den Füßen, sie waren und sind immer ein Problem. Ziehe ich nur Plastikschuhe an, entsteht Feuchtigkeit von innen**. 4 Paar Strümpfe lassen sich nicht übereinander tragen, dann kannst du nicht mehr laufen. Zudem werden meine Zehen unglaublich schnell kalt. Schuhe sind also stets ein Kompromiss aus möglicher Trockenheit und Wärme. Beides gleichzeitig geht auf Dauer (12 Stunden) nicht. Schuhe aus Leder wärmen am besten, sie kannst du aber nicht jedes Mal vor Antritt einer Schicht neu einfetten, das wäre zu viel Arbeit. Ein anschließendes Trocknen solcher regendurchnässter Schuhe dauert auch zu lange. Unter äußerer Beanspruchung hält das Fett sowieso nicht dauerhaft dicht und lässt Feuchtigkeit (wir sprechen hier immer noch von 12 Stunden im Regen) auch durchs eingefettete Leder in den Schuh. Also finde ich mich mit einer Mischung aus Leder und Plastik sowie daraus folgend leicht feuchten Füßen ab, die dann aber warm bleiben allerdings recht schnell an den Zehen kalt werden. Andernfalls wären die Füße trocken aber die Kälte von außen dränge zu schnell ein, was dann nicht nur zu kalten Zehen, sondern zu komplett kalten Füßen führen würde. Eigentlich bräuchte ich 4 Paar Schuhe, die ich übereinander anziehen könnte. Moon-Boots sozusagen, dann hüpfte ich mit ihnen durch die Nacht. Schade, dass unsere Gravitation nicht kurzfristig lokal angepasst werden kann.

Mein subjektives Empfinden ist bei Verwendung dieser Zehenwärmer, dass die Zehen nicht kalt sind, allerdings nehme ich keine besonders auffällige Wärme wahr. Mit den Händen spüre ich die Wärme, in Strümpfen in den Schuhen nehme ich sie kaum noch wahr - ist aber auch egal, denn allein, dass keine unangenehme Kälte aufkommt, wie sie ohne diese Wärmer entsteht, lässt mein Gemüt freundlich lächeln. Nun warte ich noch die kalte Regennacht zu Mittwoch ab und dann schauen wir resümierend mal.

Du möchtest meine Stinkesocken größer
bestaunen? Dann Nase zu und klick aufs Bild.

* Das hat wenig bis gar nichts mit dem Preis der Regenkleidung zu tun. In einem Test der Stiftung Warentest von extrem teurer Outdoor-Regenbekleidung im Vergleich mit Billigbekleidung vom Discounter wurden die Probanden in eine Autowaschanlage gestellt und mit Hochdruckreiniger manuell traktiert. Das Ergebnis beider Kleidungstypen war ähnlich: überall an den Nähten versagte ziemlich schnell der Nässeschutz. Der Test war nach wenigen Minuten zu Ende, sein Ergebnis unter meinen Bedingungen und von durchgehend 12 Stunden wäre natürlich um so drastischer ausgefallen.

** Die "supermodernen" Stoffe, die Feuchtigkeit nur in eine Richtung durchlassen, sind Theorie und Verkaufsargumente. Habe ich im Laufe der Jahre alle ausprobiert, schlussendlich geben sie bei einer Überforderung doch den Nässetransfer in beide Richtungen frei oder sie bleiben beidseitig dicht wie eine Plastiktüte. Diese Stoffe werden nicht 12 Stunden im Regen praktisch beurteilt und ihre Verbindungsnähte werden nie unter mechanischer Beanspruchung getestet.

Entweder trocken oder warm - beides zusammen ist zwar der Wunsch von uns Menschen, geht aber unter allen Bedingungen so ohne Weiteres nicht; dann müssten wir schon Pinguine sein.

Kommentare:

  1. Die armen Zehen...sind ein echter Schwachpunkt. Bin gespannt auf deine endgültige Bewertung, vielleicht lege ich mir auch ein Pack zu.
    Für die ganz eisigen Tage hatte ich Lederstiefel mit Lammfutter und einer leider rutschigen Profilsohle. Weder haben die Dinger ausreichend gewärmt, noch konnte ich bei Glätte auf die Straße damit.
    Beim Discounter habe ich mir ein paar sehr leichte Plastikentenschuhe gekauft. Sind absolut rutschfest und einige Zeit halten sie auch warm. Die entstehende Feuchtigkeit trocknet sehr schnell wieder und so sind sie am nächsten Tag gleich wieder einsatzbereit.Und die Reinigung ist ein Klacks.

    Die Zwiebelei schützt gut gegen die Kälte, viel besser als ein dicker Pullover!

    Und der Ausdruck "Plastikhose" erinnert mich an Sheldon Cooper's Bushose:-)))

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Habe extra gegoogelt. Aha, so verballhornst du also meine praktisch-wissenschaftliche Versuchsanordnung der thermobiologischen Wechselwirkung chemischer Substanzen vom Fuß bis hinauf ins Limbische System oder anders ausgedrückt, vom Zeh bis in die Seele. Soso, das gibt mir aber zu denken ;-)

      Löschen

Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquide über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.