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Freitag, 6. Oktober 2017

Veränderungen

Pünktlich 6 Tage vor Ende meiner Habjahres-Zeitarbeit flattert glücklicherweise ein neuerlicher Auftrag fürs nächste halbe Jahr in die Firma. Sehr schön, ich freue mich. Noch weiß ich kaum etwas im Detail, das macht aber nichts und ist sowieso nicht fürs Tagebuch geeignet. Jedenfalls wird es dem Himmel sei Dank wieder eine von mir so sehr geschätzte Nachtarbeit werden, die bekanntlich meinem Biorhythmus absolut entspricht. Endlich Schluss mit den hektischen Tagesschichten (viel zu viele Autos und Menschen). Allerdings wird es im Unterschied zu den vergangenen 30 Jahren meiner Nachtschichten so sein, dass mich kein Hund begleiten wird, was mir bei aller Freude dennoch seit ein paar Stunden einen Kloß im Halse spüren lässt, denn seit dem ich gestern Bescheid bekam, sehe ich die liebe Elli wieder überall um mich herum. Vorhin habe ich an ihrem Grab zu ihr gesprochen.

Gestern auf der Baustelle war für einen Maurer sein letzter Arbeitstag, ab heute ist er in Rente. Er hat bis zum letzten Tag gearbeitet, 52 Jahre auf dem Bau. Mein Gott, wie mag er sich hinter seiner Maske unverbindlicher Sprüche im Kollegenkreis wirklich fühlen? Er wohnt weit weg, übernachtet mit einem Team während der Woche hier am Niederrhein in einer Pension, hätte also locker die letzten Wochen gar nicht zur Arbeit gemusst, hat eh Bandscheiben- und Rückenprobleme. Nein, er arbeitete bis zur letzten Minute. Deshalb, glaube ich, ist es für ihn wohl längst nicht so leicht, wie's nach außen vielleicht erscheinen mag. Hoffentlich hat er sein Rentner-Dasein gut vorbereitet und fällt in kein seelisches Loch, das wünsche ich ihm und natürlich alles erdenkliche Gute.

So, heute große Freude, eine Portion Sentimentalität und viele gute Wünsche - der Fluss des Lebens biegt auf seinem Weg ins endlose Meer in eine neuerliche Windung. Mal schaun, entlang welcher Landschaften und durch welche Orte sein Wasser uns alle trägt.

Kommentare:

  1. Wie schön, dass du gleich wieder einen Anschlussauftrag hast.
    Wir waren auch freiberuflich tätig, und da kennt man die Zitterpartie "wann klingelt das Telefon".
    So einen plötzlichen Renteneintritt hätte ich auch nicht gewollt. Bei uns liefen die Jobs nach und nach aus. So konnte man sich daran gewöhnen.
    Inzwischen ist es eher so dass wir uns fragen, wie wir früher auch noch Arbeit in den Tag integriert haben. Wir sind immer beschäftigt und Langeweile kennen wir nicht.

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    1. Sehr gut, wenn das Arbeitsleben so schleichend ausläuft, wie bei euch. Auch ich hätte sicher keine Probleme, da mein komplettes Leben ja bereits eine Rentnervorbereitung ist ;-) Naja, aber mal im ernst, wer, wie ich, meist nur zeitlich halbe Jobs macht (zwischen 80 und 120 Stunden im Monat), weil die andere Hälfte mehr Wert als jedes Gold der Welt ist, und weil ich mit wenig Geld prima über die Runden komme (*klopfaufholz*), gerät natürlich irgendwann in finanzielle Rentennöte, was bedeutet, es wird faktisch kein Renteneintrittsalter für mich geben bzw. die beiden Hälften aus Arbeit und Freizeit werden sich ab 67 nur tauschen in Rente und Arbeit. Dagegen hätte ich aber nichts einzuwenden, denn es bleibt dann ja alles, wie es ist (wenn denn die Aufträge nicht ausbleiben), und wie es ist, damit bin ich sehr zufrieden.

      Aber wer weiß, was in der Zukunft noch so geschieht - unsicher ist alles, das ganze Leben. Und wenn ich glaubte, ich habe vorgesorgt und sei gegen alle Eventualitäten geschützt, dann erledigen womöglich Krankheiten oder Schicksalsschläge den jahrzehntelang verfolgten schönen Plan. An so etwas mag ich gar nicht denken, denn das vermiest mir wiederum nur die Gegenwart. Und mit einer schlechten Gegenwart wäre das Dasein eh sinnlos, will sagen, sie muss ja nicht auch noch bis ans Lebensende planmäßig fortgeführt werden. Naja, jedenfalls werde ich bis ans Ende hinzuverdienen müssen, es stellt sich gar nicht die Frage nach einem Wollen oder nach sinnvoller Beschäftigung, um in kein Loch zu fallen.

      Vielleicht kann ich mir den abrupten Renteneintritt des Maurers auch nur deshalb so schwer vorstellen, da dieses ganze Thema für mich halt wie von einer anderen Welt ist. Mein Bruder geht auch bald in Rente und hat ebenfalls sein Leben lang gut gearbeitet, so dass seine Rentenhöhe prima zum Leben ausreicht - das stelle ich mir dann vor wie ein Lottogewinn einer "Sofortrente", ist schon geil, wenn es so weit ist und das Leben es gesundheitlich gut mit einem meint.

      Ach, je mehr ich darüber nachdenke desto weiter reicht das Feld der Gedanken. Liebe Barbara, ihr habt es richtig gut, genießt eure Zeit, ich freue mich für dich mit. Hauptsache möglichst gesund, das ist wohl das Wichtigste überhaupt, oder?

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Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquide über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.