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Montag, 23. Oktober 2017

Serien-Tipp: "Babylon Berlin"

Sechs Folgen "Babylon Berlin" habe ich heute gesehen: großartig! Alles dreht sich stimmig und geschmeidig wie Zahn in Zahn eines geöltes mechanisches Werks und setzt dabei eine Kraft frei, die in deutschen Serien nur alle paar Jahre, vielleicht ein, zwei mal in einem Jahrzehnt, zu spüren ist. Die letzte Serie in dieser Ausnahmequalität war meines Erachtens "Im Angesicht des Verbrechens".

Eine Rahmengeschichte verwoben mit etlichen Handlungssträngen; ihre dramaturgische Umsetzung, die Bilder, Stilelemente und visuellen Effekte, das ungeheure detailgetreue Set, die Musik, die Auswahl der Darstellerinnen und Darsteller und ihr schauspielerisches Können lassen die Ästhetik der Berliner 1920er Jahre auferstehen, ja sogar die Wortwahl, die Begriffe und Redensarten, all das zusammen erschafft ein Bild jener Zeit wie aus den Romanen der berühmten deutschen Schriftsteller jener Epoche. Ich fühlte mich hineinversetzt in Erzählungen von Hesse, Kafka, Döblin und Klaus Mann. Und dann schafft es auch noch der Titelsong "Zu Asche, zu Staub" von Severija Janušauskaitė zu einem mächtigen Ohrwurm; heute entstanden, natürlich auch unter Verwendung einiger abgekupferter musikalischer Themen, also neu und modern aber gleichzeitig hätte er ebenso gut aus den 20er Jahren stammen können.

Die Serie moralisiert nicht wie alle anderen deutschen Serien oder TV-Filme, die in dieser Zeit spielen und die wir immerzu gleichförmig als Mittel zum Zweck einer Zeigefinger-Erziehung seit Jahrzehnten geboten bekommen, sondern hier werden viele Geschichten miteinander verknüpft, die jederzeit und immerzu geschehen, seit es Menschen gibt.

Jedenfalls freue ich mich jetzt schon auf die nächsten beiden Folgen und auf die 2. Staffel im November. Dass einige Kritiker sich daran stoßen, der olle Adenauer würde durch die Serie vom gottgleichen Thron seiner unantastbaren Erhabenheit gestoßen, zeigt eigentlich nur, dass diese Menschen den Humor dahinter einfach nicht verstehen, wahrscheinlich da sie selber keinen besitzen.

Hier kannst du mal in den Titelsong reinhören, wenngleich er im Zusammenspiel mit der Verfilmung noch um ein Vielfaches kräftiger wirkt:

Kommentare:

  1. Mitbekommen habe ich, dass es diese deutsche Serie gibt.
    Ohne deine Review würde ich nicht auf die Idee gekommen sein, sie auch anzuschauen.
    Ab Januar läuft sie in der ARD.

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    1. Ja, die ARD produzierte mit (gab Geld für Senderechte), hatte aber gottlob sonst nichts zu sagen. Freue dich auf diese Ausstrahlung. Wie immer bei allen guten und umfänglichen Serien wirkt der Beginn ein wenig konfus und unübersichtlich, so ist es auch hier, das legt sich aber ab Folge 3 schon komplett. Es ist schon bemerkenswert an dieser Serie, dass die ersten beiden Folgen (eine Doppelfolge) bei der Kritik "vorsichtig optimistisch" aufgenommen wurde, dabei die ungeheure Steigerung von Folge zu Folge komplett außer Acht gelassen wird. Ich werde den, natürlich vollkommen subjektiven, Eindruck nicht los, als würden sich viele Kritiker Möglichkeiten offen halten für einen zukünftigen Verriss - und dabei geht es lediglich um den Inhalt der Serie, das handwerkliche Können steht außer Frage, es spiegelt sich in dieser Serie unübersehbar fulminant wider und das wird von aller Kritik auch angenommen und gelobt. Ich weiß nicht, wohin und wie sich diese Serie inhaltlich entwickeln wird, es ist möglich, dass sie politisch unkorrekt wird und von daher verrissen werden wird. So meine ich das mit dem "besser mal noch nicht alles zu überschwänglich loben, vielleicht müssen wir zukünftig 'im gesellschaftlichen Pädagogikauftrag' auch ein wenig dämpfen" ;-)

      Aber vielleicht entwickelt die Serie sich ja genehm. Bis jetzt jedenfalls finde ich sie perfekt und politisch absolut neutral. Aber sogar das könnte man ihr abschließend zum Vorwurf machen, du weißt ja, wie unsere Mainstreamkritik so gestrickt ist.

      Ich lege eine Blog-Pause ein (Erklärung folgt in einem separaten Eintrag). Entschuldige wenn ich zukünftig nicht mehr auf Kommentare direkt antworte. Das wird sich wieder ändern. Hoffentlich. Momentan habe ich gedanklich keine Zeit mehr fürs Internet, und zwar so lange, bis ein schwieriges Problem gelöst ist. Mein vorübergehendes Schweigen hat also nichts, absolut und überhaupt gar nichts mit einer Missachtung zu tun.

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