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Sonntag, 17. September 2017

Wählen gehen

Gerade vorhin begann ich mich straßentauglich anzukleiden, um zur nahegelegenen Feuerwehrstation zu gehen und meine Stimme zur Bundestagswahl abzugeben - ja, genau, ich sollte besser auf den Kalender achten. Nur durch einen glücklichen Zufall fiel mir der Umstand meiner Verfrühung noch rechtzeitig auf. Mein Gott, was hätte ich vorm Wahllokal blöd aus der Wäsche geschaut, nicht wahr, und wahrscheinlich stehenden Fußes von Verschwörung und Wahlmanipulation geschimpft.

Was mir seit einigen Wochen vermehrt auffällt, ist die Sprachveränderung in den Online-Medien. Ich schaue ja nur noch alle paar Tage dort hinein, TV und Radio-News komplett nicht mehr. Bei Verbrechen, die von kultur- bzw. zivilisationsfremden Menschen begangen werden (Vergewaltigung, Messerstechereien, Terror und so weiter), wird fast nur noch in einer verharmlosenden und verschleiernden Sprache geschrieben. Es sind "Vorfälle", die von "Männern" bzw. jeweils einem "Mann" begangen werden. Das grenzt schon an geschlechtsspezifische Diskriminierung.

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Diese DPA-Meldung (links der Screenshot) habe ich wahllos aufgegriffen, da sie in wenigen Sätzen exemplarisch veranschaulicht, was ich meine. Es wird von einem "Mann" berichtet, der bei seinem Mordversuch "Bemerkungen im Zusammenhang mit Allah gemacht haben" soll. Anschließend wird von einem "Auto" geschrieben, das in eine Gruppe Soldaten fuhr und mehrere Menschen verletzte. Böse Männer und böse Autos. Es muss ziemlich anstrengend für den Journalisten oder die Journalistin gewesen sein, hier Begriffe wie "Islam", "Waffe", "Morden" oder "Zuwanderer" zu vermeiden. Lieber werden Menschen von einer "Terrorserie erschüttert", hört sich mehr nach Erdbeben an, schlimme Naturgewalten, gegen die man nichts machen kann. Für wie dumm wird die Bevölkerung unmittelbar vor der Wahl eigentlich gehalten?

Für so dumm, dass ich beinahe zwei mal wählen gegangen wäre (Eilmeldung: "Die Erde bebte! Mann stand vorm Wahllokal und schimpfte mit den Füßen vor Wut auf den Boden stampfend vor sich hin") ^^

Einen schönen Herbstsonntag wünsche ich dir derweil, bleibe in deinen vier Wänden und in deinen Wohlfühlklamotten, erhole dich von der Arbeitswoche, denn du brauchst heute nicht auf die Straße, nicht hinaus in die von Männern und Autos beseelte Welt.

Kommentare:

  1. Der Countdown läuft.
    Am neutralsten lesen sich noch die Polizei+Presseportal+Nachrichten bezogen auf deinen Ort. Ansonsten gilt es, die Fähigkeit zum zwischen den Zeilen lesen auszubauen. Die Wahrheit muss verschleiert werden, man will die Bevölkerung nicht beunruhigen.
    Als Tageszeitung lese ich vorwiegend die "NZZ". Da kommen Autoren zu Wort, die in der deutschen Presselandschaft keine Chance haben.
    In der Mache habe ich gerade eine Biographie über Merkel (verschiedene Autoren) die bereits in der 6. Auflage erschienen ist. Mit jeder Seite mehr Info wird es immer klarer: diese Frau ist unwählbar.

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    1. Merkel ist mir unheimlich. Sie tut nichts, sie sagt kaum etwas, sie stammelt bei Liveauftritten - ich frage mich immerzu, und das schon seit vielen Jahren, ob sie ein echter Mensch ist. Sie kommt mir wie eine Puppe vor, eine Marionette, doch wer sollte die Fäden ziehen? Da ist niemand. Sie verkauft uns ein Bild von ihr, dem sie ganz und gar nicht entspricht. Verkaufen kann sie es uns nur deswegen, da die Medien in ihrem Sinne fast alle funktionieren - auch das finde ich unheimlich, wie hat sie so etwas geschafft?

      Ich selber bin arg unfotogen, sie ist es auch, man muss sich bemühen, "normale" Abbildungen zu finden, von 100 Fotos gibt es vielleicht eines. Das ist halt ein Phänomen: manche Leute kannst du immer und überall fotografieren, sie sehen immer wie in der Realität aus, andere mutieren während Bewegungen oder Gesten oder gesprochenen Worten zu wahren Karikaturen eines Selbst - und dennoch wird fast nie ein unvorteilhaft aufgenommenes Foto von Merkel veröffentlicht. Wie kann sie die Medien nur so umfassend in der Hand haben?

      Sie hat jede Opposition in den eigenen Reihen nacheinander ausgeschaltet. Wie macht sie das? Oder besser gefragt: warum gelingt ihr das? Geld wäre eine mögliche Erklärung, jeder ist letztendlich käuflich.

      Jedenfalls verstehe ich die meisten Bürger nicht, die ihr schon wieder so eine große Stimmenanzahl schenken. Im Alltag sehe ich nie so viele zufriedene Menschen wie es das Wahlergebnis widerspiegelt. Aber jeder, ich halt auch, lebt in seiner eigenen Realitätsblase, das ist schon klar, es muss daher einem überwiegenden Teil der Bevölkerung so gut gehen, dass sie nichts berührt, nichts selber betrifft. Und da ist Geld auch wieder ein Indikator: es muss also genug Bürger geben, die davon reichlich und genug zur Verfügung haben (dass sie sagen können, leckt mich doch alle am Arsch).

      Andererseits kann man sagen, dass die Unzufriedenen nicht derart unzufrieden sind, um eine echte Opposition zu wählen. Lieber gehen sie aus Enttäuschung gar nicht zur Wahl - dennoch, dieses Verhalten entspringt auch keinem existenziellen Frust, selbst die Unzufriedenen sind nicht unzufrieden genug, Merkel wirklich abwählen zu wollen.

      Das alles in seiner Gesamtheit ist mir, wie gesagt, äußerst suspekt und eben ziemlich unheimlich.

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  2. Du hast das ganz wunderbar zusammengefasst!
    Nach außen hin zeigt sie ein Bärengesicht, also eines das keine Emotion verrät. Dass es in ihr aber brodelt, zeigen die bis zum Anschlag abgekauten, blutig gebissenen Fingernägel. Hast du das schon mal gesehen? Damit baut sie innere Spannung ab, es gibt aber noch weitreichendere Erklärungen bei Wikipedia für dieses Verhalten.
    Und ja, auch mir ist eine solche Regierende unheimlich.

    Diese Nägel kann man mit einigem Aufwand so gestalten, dass ein Beißen unmöglich ist (habe vor Jahren aus Interesse mal eine Ausbildung als Nagel Designerin gemacht).

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    1. Nein, das mit dem Nägelkauen war mir nicht bekannt. Habe danach gegoogelt und erstaunliche Bilder gefunden. Eine schlimme Angewohnheit.

      Manchmal reißt ja die Haut um die Nägel herum auf aus unerfindlichen Gründen (zumindest bei mir). Mag sein, Vitaminmangel oder so etwas, ich glaube aber, dass es gar keinen speziellen Grund dafür gibt. Instinktiv beginnt man dann die Haut mit den Zähnen abzuknabbern, macht aber die Sache dadurch noch viel schlimmer. Tut am Ende jedes mal weh, wenn die Finger irgendetwas mit dieser Seite berühren (sie in eine enge Jeanstasche geschoben werden zum Beispiel). Wenn es also bei mir geschieht, klebe ich ein schmales Pflaster um die Stelle und binnen ein, zwei Tagen ist alles wieder verheilt. Solche abgeknabberten Finger wären mir absolut zuwider.

      Okay, gelesen habe ich auch von Neurosen oder Psychosen, die das Knabbern verursachen sollen, genauso wie vom Gegenteil, dass dies nämlich eine längst überholte "wissenschaftliche Einschätzung" sei und es sich lediglich um eine lästige Angewohnheit ohne tieferen Sinn handelt, also wie du schon sagst, als unbewusster Stressabbau. Andere zupfen an den Haaren oder streicheln andauernd ihren Bart. Wieder andere benutzen Zigaretten, Kaugummi oder müssen ständig etwas im bzw. am Mund haben. Meine laienhafte Theorie ist die der unbewussten Suche nach Zärtlichkeit oder Geborgenheit. Wer so etwas verstärkt macht, ist möglicherweise ohne oder mit zu wenig körperlicher Zuneigung aufgewachsen. Wie gesagt: Küchenpsychologie :-)

      Daher sollte oder bräuchte man es sich meiner Meinung nach nicht abgewöhnen, denn dadurch würde man es nur verlagern und etwas anderes finden, was diesen Verlust dann auch wieder kompensiert - vielleicht würde man mit dem Rauchen beginnen, das wäre dann definitiv schädlich (dampfen wäre etwas anderes, das wäre gut und ist unschädlich, doch damit beginnt keiner, ist vielen am Anfang zu kompliziert, die meisten Leute wechseln nur dorthin vom Rauchen).

      Tja, liebe Barbara, da hast du einen mir völlig unbekannten Merkel-Aspekt erwähnt. Vielen Dank dafür.

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Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquide über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.