Sonntag, 12. März 2017

Zum Erscheinungsbild des E-Dampfens

Meine Rede! Jahrelang kritisiere ich das Erscheinungsbild der sogenannten Dampferszene, mit der ich nach meinem Austritt ja nichts mehr zu tun habe, über die ich mir zu schreiben aber nicht nehmen lasse. Wie durch und durch negativ diese Szene auf die Normalbevölkerung wirkt, wird so gut wie nie thematisiert.

Gestern sprach ich mit einem "normalen" E-Dampfer und nur rein zufällig wurde dieses negative Bild erwähnt - von meinem Gesprächspartner, nicht von mir. Um die Anonymität zu gewährleisten, nenne ich ihn mal Herr M. Herr M rauchte 40 Jahre lang Tabakzigaretten und seit ungefähr anderthalb Jahren ist er ein fröhlicher E-Dampfer. Aber er ist jemand, der das E-Dampfen nicht gleich zu seinem Hobby gemacht hat, sondern er besitzt 4 Standard-Gegräte von denen er nur 2 im Alltag benutzt. Er mischt sein Liquid der Kosten wegen selber, die Vernunft gebietet es, und er betreibt seine Geräte mit Fertig-Coils. Sein Dampfverhalten hat sich in dieser Zeit kaum verändert, wenn man vom technischen Entwicklungssprung der EVODs, mit denen er erfolgreich den Umstieg geschafft hatte, zu den heutigen Geräten absieht.

Wir redeten über die steigende Verbreitung des E-Dampfens, den Kostenfaktor, der damit einhergehenden Ersparnis im Vergleich zum Tabakrauch und so weiter, was man halt so erzählt. Dann berichtete M aber von einem Menschen in seiner Firma, dessen, um es hier und jetzt nicht despektierlich wiederzugeben, Selbstbewusstsein schon immer sehr niedrig angesiedelt war und der ein "Sub-Ohmer" sei. Er würde es genießen, überall mit seinen riesigen Wolken Aufsehen zu erregen. Endlich sprächen die Arbeitskollegen über ihn, er stünde oft im Mittelpunkt ihres Interesses und sei bereits in der regionalen Dampferszene eine bekannte Person. Er fühle sich anscheinend in der Wahrnehmung aufgewertet, dabei bemerke er aber leider nicht, dass die neu gewonnene Aufmerksamkeit in der Firma die eines Clowns sei und dass er von den Arbeitskolleginnen und Kollegen nun vollends nicht mehr ernst genommen werde.

Ich wandte ein, dies sei eine Ausnahmeerscheinung, grundsätzlich habe auch ich an großen Wolken nichts auszusetzen. Nein, so erklärte mir M, dies sei es auch nicht alleine, es läge am gesamten Habitus. M führte ein weiteres Beispiel an:

Einmal, so schmunzelte er, habe er im Internet in einen HangOut hinein geschaut. Dort hätten an die 10 Dampfer gesessen und sich wie am schlimmsten Stammtisch einer dieser gruseligen Absacker-Orte benommen. Einige seien offenkundig besoffen gewesen, andere die reinsten Asis, denen man im Alltag sofort aus dem Weg gehen würde. Dort sei anfangs zwar vom E-Dampfen gesprochen worden aber anhand dieses Themas wurde binnen Kürze zur Weltpolitik gewechselt und die dümmsten, reaktionärsten und bildungsfernsten Meinungen seien erklungen, gerade so, als befände man sich regelrecht mit am Tisch von Alkoholikern in einer Bahnhofskneipe. Nach geraumer Zeit habe M es einfach nicht mehr ausgehalten und abgeschaltet. Er würde sich schämen, heute als E-Dampfer auch nur in die Nähe solcher Gestalten gebracht zu werden und benutze deshalb, wie ebenfalls die meisten anderen Neudampfer in seiner Firma, die Geräte möglichst unauffällig. Sie benähmen sich wie ganz gewöhnliche Zigarettenraucherinnen und -raucher auch.

Natürlich wissen M und ich, dass das Leben viel bunter ist, doch hier ist der Grund zu finden, weshalb der in Dampferkreisen oft bemängelte Zusammenhalt fehlt und der Großteil der tatsächlichen E-Dampferinnen und E-Dampfer anonym bleiben möchte, nämlich genau wegen dieses schlimmen öffentlich zur Schau gestellten Selbstbildnisses dieser Szene. Es fehlen nach wie vor positive Identifikationsmuster, es fehlen die Vorbilder, denen man gerne nacheifern würde, honorige Menschen jeden Alters und aus allen Gesellschaftsschichten, nicht nur aus der unteren. Seit 2013 hat sich dahingehend nichts wesentlich verändert.

Nun, ich vernehme schon den Einwand, M's Erlebnisse würden die Realität nicht wahrheitsgetreu widerspiegeln, die Wirklichkeit sähe anders aus. Wessen Wirklichkeit? Nein, meine lieben Freundinnen und Freunde der Szene, genau das, was M berichtet, stammt aus der Wirklichkeit der Mehrheit normaler berufstätiger Menschen, in deren Leben das E-Dampfen eben nicht im Mittelpunkt steht; es ist daher zwar ein selten gezeigter, so doch ein tiefer Einblick. Entweder nehmt ihr die Welt da draußen als solche wahr oder ihr lebt in eurer eigenen, jeder wie er will - aber die Wahrheit zu verleugnen, entfernt diese Wahrheit nicht, es macht nur blind.

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