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Dienstag, 14. März 2017

Geschick, Gemetzel, Genie

Es ist sooo typisch! Als Mensch mit zwei linken Händen sind kleinere Handwerkstätigkeiten so sicher zum Scheitern verurteilt wie die Gewissheit des allmorgendlichen Sonnenaufgangs. Bei Dingen, die so harmlos sind, dass ihnen sogar US-amerikanische Warnhinweise fehlen, ist es vorprogrammiert, dass ich mich an ihnen verletze. Ich hatte sogar schon meine Fingerkuppe beim Öffnen eines stinknormalen Verschluss-Clips einer Brottüte blutig gepikst.

Was ist geschehen?

Größenvergleich
Ich traue mich ja fast nicht, das hier aufzuschreiben. Nun denn, ein Mini-Magnet eines Akkufachdeckels einer E-Dampfe (ein kleines Gerät mit einem Akku) war aus seiner Halterung gerutscht. Das kommt von Zeit zu Zeit vor, diese kleinen Magneten sind dort lediglich eingepresst und können sich lösen. Dann nimmt man sie einfach, benetzt sie mit einem Tropfen Sekundenkleber und presst sie mit einer Zange erneut ein. Das hält dann so bombenfest, dass eine Lösung dieser Verbindung wohl erst in weiter Zukunft bei der Müllverbrennung erfolgt. Schon einige Male hatte ich so etwas bei diversen Geräten gemacht. Dabei ist natürlich auf die Polung des Magneten zu achten. Hallo? Magnetismus? Nord- und Südpol = abstoßend und anziehend. Da der Deckel auf das Fach gehalten werden soll, benötige ich demnach was? Genau, die anziehende Seite des kleinen Magneten muss in Richtung des Geräts weisen, auf das sich ein entsprechend gepolter Gegenmagnet befindet.

Ich nahm also den winzigen Magneten, tröpfelte Sekundenkleber darauf, was schon der erste Fehler war, denn weshalb tröpfelte ich den Tropfen nicht ins ausgesparte Fach der Halterung wie sonst auch? Vergessen. Egal, aber ich gab selbstverständlich einen zu großen Tropfen auf den Mini-Magneten, so dass meine Finger zu kleben begannen und der Magnet lieber an ihnen haften blieb als auf den unbenetzten Metallplatz des Deckels. Ein munteres Hin- und Hergeschiebe begann. Dabei drehte und wendete ich den Magneten zwischen meinen Fingern und verlor die Übersicht seiner Polung. Ich schätzte daher mehr, doch als Freund der Vulkanier (sinngemäß: "Spock, eine Schätzung von Ihnen ist sicherer als die Berechnung eines jeden anderen") überschätzte ich dabei mein Nur-Menschsein, bekam den Magneten zwar an seinen vorgesehenen Platz und presste ihn mit der Zange endgültig fest, auch wartete ich danach noch das Trocknen des Klebers ab, der sich ja mittlerweile auf beiden Seiten des Magneten befand (ich brillierte also angesichts meines geistigen Vorbilds Mister Spock mit meiner Klugheit, ein durch zu ungeduldiges Verhalten versehentliches Festkleben des Fachs zu verhindern), doch was war letzten Endes das Resultat meiner menschlichen Überheblichkeit, es einem Vulkanier bei einer Schätzung gleichzutun? Richtig! Falsch herum, der Deckel stieß sich nun mit all der zur Verfügung stehenden magnetischen Kraft vom Fach ab.

Jetzt begann aber erst das eigentliche Malheur, das den Grund aufzeigt, weshalb die Amis selbst auf Pappbecher für Kaffee schreiben: "Vorsicht heiß! Könnte zu Verbrühungen führen".

Mit der Spitze eines Werkzeugs (wie eine Nadel, doch mit handlichem Griff versehen), für das es an Personen meiner Geschicklichkeit ein EU-weites Verkaufsverbot geben sollte, hakte und pulte ich an den Seiten des Magneten herum aber bekam ihn selbstredend nicht wieder aus seiner Fassung. Mit steigender Intensität gleich einer aufwallenden verzweifelten Wut nahm meine benutzte Kraft ein schieres Übermaß an, Hulk wäre vor Staunen erblasst, welches die physikalischen Gesetzmäßigkeiten der Hebelkräfte entsprechend dem enormen Zuviel dieser hulkschen Energie auf das Metall abgleiten ließ und die Spitze des Werkzeugs dazu ermutigte, rücksichtslos und voller Wucht in die Seite meines Zeigefingers der den Deckel haltenden Hand zu dringen, was wiederum eine pochende, brennende und erstaunlich üppig blutende Wunde zur Folge hatte. Tisch, Shirt, Hose, Boden, Akku, Akkuträger, Deckel und der festgepresste Mini-Magnet zeugten mit blutigen Spuren von diesem grausamen Gemetzel.

Das Ende der Geschichte: den Akkuträger benutzte ich sowieso nur noch selten und wenn, dann ausschließlich zu Hause am Monitor, nahm ihn längst nicht mehr mit und er befand sich überdies immer in seinem Ledersleeve, in das er auch ohne Akkudeckel prima passt. Wozu eine doppelte Akkuabdeckung? Somit bin ich der geniale Erfinder einer weiteren Gewichtsersparnis, was den haptischen Komfort dieser E-Dampfe nun durch ihre gewonnene Erleichterung höchst angenehm steigert.

Kommentare:

  1. Die reinste Metzgerei. Als Erste Hilfe muss bei mir die immer greifbare Küchenrolle herhalten. Beobachte die Wunde, eine Blutvergiftung muss nicht auch noch sein.

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    1. Prophylenglykol wirkt antibakteriell. Bei meinem Konsum, tritt das bereits aus allen Poren aus. Wie beim Genuss von viel Zwiebeln. Und wenn es dort schon austritt, ist der Rest meiner Organe damit bis Oberkante Unterlippe versorgt. Mein Körper ist somit ein wandelndes Anti-Infektions-Umfeld. Wenn die Keime mich schon von weitem sehen, nehmen sie sofort Reißaus.

      E-Dampfen muss ja auch mal für was gut sein ;-)

      Aber das bringt mich auf eine Idee. Ich bastle gleich mal ein Alibi-Bildchen für morgen ...

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Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquide über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.