Samstag, 18. März 2017

ARD-Mehrteiler "Charité"

Die ersten beiden Teile des Sech-Teilers "Charité" habe ich gesehen und es waren zugleich die letzten Teile, die ich mir von diesem Schrott angetan habe. Ich finde für eine negative Rezension kein Anfang und kein Ende, so viel Unfug ist dort zu sehen, ach was, alles ist durchtränkt von einer phlegmatischen Darstellung aus unserer heutigen Sichtweise auf unsere Vergangenheit. Das wilhelminische Kaiserreich und der deutsche Patriotismus werden in eine nationalsozialistische Ecke zukünftiger Zeiten gerückt, der Kaiser als Idiot dargestellt und Burschenschaften hübsch politisch korrekt als dumpfe Vereinigungen tumber Studenten - die Wahrheit mag sogar genau gegenteilig gewesen sein, was soll's, es ist ein Film von und für heutige grün-liberale Gesinnungen, in dem die Fakten zwar unverändert bleiben (müssen), ihre Interpretation aber schon an "alternative Fakten" erinnert. Zwischendrin ein bisschen Proletariat und aufmüpfige Fräulein, Liebesaffärchen in allen gesellschaftlichen Schichten, schlechte Computergrafiken, rührselige Filmmusik - von allem ein Schlückchen oder eine Prise, umrühren und fertig ist der Brei fürs öffentlich-rechtliche TV. Teuer, Müll, manipulativ und Kitsch in seiner reinsten Form. Dagegen ist die "Schwarzwaldklinik" intellektuelles Fernsehen.

Und ob du's glaubst oder nicht, dies hier sind keine 10 Prozent dessen, was mir an diesem TV-Mehrteiler auffällt, obwohl ich erst zwei Teile gesehen habe. Beinahe in jeder Filmszene, in jedem Dialog und fast in jeder Einstellung gäbe es etwas anzukreiden - oder vorzuführen, wie historische Stoffe verkitscht werden. Es wäre mir viel zu mühsam, mit einer Aufdröselung hier zu beginnen. Das ist es auch nicht wert, da in einer oberflächlichen Facebook-Zeit der Überschriften ein Inhalt sowieso nicht zählt und Bildung heute nicht mehr angelesen wird, sondern nur noch überflogen. Dass dabei, wie es dieser Fersehfilm belegt, sämtlicher Kontext verloren geht, wen interessiert's?

Ich wage mal eine bewusste Provokation: wer sich diesen Mehrteiler anschaut und ihn gut findet, ist schlichtweg dumm. Für ein solches Publikum wurde "Charité" gedreht.

Kommentare:

  1. Vielleicht haben die Macher auch die guten britischen Serien gesehen und dachten sich "das können wir auch". Nicht.
    Ich hatte einen kurzzeitigen Internetausfall und habe nach langer Zeit mal wieder durch das Prime Time Programm gezappt und nur den Kopf geschüttelt. Bis auf eine Tierdoku findet sich da absolut nichts was ich sehen möchte.

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    1. Bei ARD und ZDF wundert mich eigentlich nichts mehr, man sieht an deren Qualität aber deutlich, was sie von ihrem Publikum in Wahrheit halten bzw. wie sie deren Intelligenz einschätzen. Es kommt mir manchmal vor wie Kinderfernsehen von der Nanny präsentiert. "Kinder! Setzt euch, es gibt ein Stündchen Kinderfernsehen!".

      Kann man eigentlich sagen, blöde gehaltene/erzogene Menschen sind auch blöd? Nämlich dass sie so etwas mit sich machen lassen?

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  2. ich bekenne mich als dumm! mir gefällt, was ich bisher gesehen habe. eine retrospektive der damaligen zeit, natürlich überzogen (?). eins ist es gewiss: gute unterhaltung. nein georg, mit deiner kritik liegst du daneben.

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    1. Na dann viel Spaß beim Gucken in der ersten Reihe der ARD. Schaust du dem Herrn Virchow mal über die Schulter und nimmst Teil am Liebesleben des Herrn Kochs. Man, wer hätte das gedacht, dass wir solcherlei Einblicke noch mal erleben können. Hut ab!, du moderne Zeit der Aufklärung 2017, dass du uns Kaisers Frau Auguste Victoria als dummes Landei präsentierst und ihre wegweisenden sozialen Unterstützung unterschlägst insbesondere die Förderung der Bildung für Mädchen und junge Frauen. Hohn und Spott haben schließlich schon zur damaligen Zeit seinen Unterhaltungswert gehabt, was sollte daran ein ARD-Unterhaltungsfilm auch anders machen?

      Jedem Tierchen sein Pläsierlichen und jedem Schenkelklopfer seine Schenkel (Seife sei erwiesenermaßen ungesund für die Haut, meint seine Majestät die Königin und Professor Virchow nickt duckmäuserisch). Vor der Kulisse mit Lumpen ausgestatteter Statisten, die wohl den Rest der Bevölkerung darzustellen haben, spielt die strenge Schwester Oberin ihre Rolle als Stichwortgeberin und Gegenpart der aufmüpfigen neuen jungen weiblichen Hilfskraft, die eigentlich ja das Talent einer genialen weiblichen Ärztin hat, prima, so dass die Neue als Identifikationsfigur der weiblichen Zuschauerinnen auf den Kinosesseln der ersten Reihe der ARD toll was hergibt - kennen wir das Schema nicht schon? Schwester Petra aus der Schwarzwaldklinik?

      Ein bisschen Zeitkolorit, ein Mix aus Krankenhaus-Serien und aktueller Politik-Metaphern, durchs Schlüsselloch ins Schlafzimmer berühmter Menschen geschaut - mich würde gar nicht wundern, wenn plötzlich Veronica Ferres durchs Bild huscht. Ja, für die Rentnergang frustrierter ARD-Zuschauer mag das intelligentes Bildungsfernsehen sein, doch du bist noch längst kein Rentner, Markus. Ich würde mal innen nachfragen, wieso dir ausgerechnet solch ein Brei gefällt.

      Ansonsten wünsche ich dir natürlich viel Spaß auch weiterhin an diesem Fernsehfilm, ich möchte niemandem seine Unterhaltung nehmen und bin selber nicht schlauer oder besser als andere. Vielleicht sind ja auch einfach nur die vielen Bücher, Romane und Biografien aus jener Zeit Schuld an meinem irrigen Verständnis jener Epoche, und die ARD zeigt mir nun endlich, wie es wirklich war, so Anno 1888 im Dreikaiserjahr und der folgenden Zeit eines ersten Dunkeldeutschlands.

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