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Montag, 29. Juli 2013

Der Sonntag-Blues

Was ist das? Sonntag abends - oder wie jetzt, Sonntagnacht - schleicht sich immer solch ein merkwürdig melancholisches Empfinden ein. Am Rande einer depressiven Verstimmung manchmal, aber nicht wirklich elendig oder schlimm, so alles hinterfragend irgendwie.

Lange dachte ich, es liegt vielleicht am Montag, da man dort wieder früh raus und zur Arbeit muss und die Gewöhnung ans Wochenende eigentlich gerade erst begonnen hat. An den Wochenenden findet man Zeit für sich, Freunde und Familie, anderes als der tägliche Trott ist dann wichtig. Der Sonntagabend holt einen quasi wieder zurück in den Alltag. Ist es das? Heute sage ich Nein, es kann's nicht sein, denn Montag muss ich nicht arbeiten, werde ausschlafen und keine Verpflichtungen des Alltags warten auf mich, nicht einmal Lebensmittel müsste ich einkaufen. Dennoch ist dieses Gefühl da.

Der geneigte regelmäßige Leser dieses Blogs weiß, dass ich unregelmäßig arbeite und es für mich seit Jahren keinen klassischen Sonntag gibt. 15 Jahre hatte ich immer sonntags arbeiten müssen und am Montagmorgen begann die Freizeit, es war wie der Freitag für andere, meine Laune stieg entsprechend. In dieser Zeit gab es keinen Sonntag-Blues. So oft schrieb ich hier, wie angenehm es ist, nach der Arbeit den Leuten Montag morgens zu begegnen und ihren missmutigen Blicken ein fröhliches Hallo zuzuzwinkern. Der Blues machte also viele Jahre Pause. Bekanntlich ist das mit der Arbeit seit 2011 nicht mehr so. Zwar arbeite ich nach wie vor unregelmäßig, doch den Sonntag und Montag habe ich nun meistens frei. Und siehe da, der Blues stellt sich wieder ein, und er geht weder mit montäglicher Arbeit noch sonstigen Verpflichtungen einher.

Woher kommt denn das Gefühl?

Dann dachte ich lange, es habe etwas mit der allgemeinen Betriebsamkeit am Montagmorgen zu tun, die ja bereits mit dem Berufsverkehr gegen 4 Uhr beginnt. Sonntagabend ist es auf den Straßen und Wegen auffällig ruhig, am späten Abend begegnet man kaum jemandem, nachts wirkt alles wie ausgestorben. Ich dachte, es läge vielleicht an diesem Umbruch von der Ruhe zur Hektik - aber auch hier trifft es auf meine Wohn- und Lebenssituation nicht zu: Ich wohne so dermaßen abgelegen, dass von der Hektik fast nichts bei mir ankommt - zwar ist die Luft morgens am Montag anders als Sonntag morgens, ist die Atmosphäre eine andere, aber sie spüre ich nicht drinnen, weder höre ich sie noch sehe oder rieche ich sie, trotzdem begrüßt mich am Sonntagabend dieser Blues. Also, warum ist das so?

Montagmorgen ist dann die Melancholie binnen kurzer Zeit wie fortgeblasen, völlig unabhängig davon, ob ich arbeiten muss oder nicht, ob ich ausschlafen kann oder nicht, ob ich in der Stadt wohne oder abseits auf dem Land - es ist und bleibt ein für mich unerklärlicher Sonntagabend-Blues, der auch nie an einem anderen Wochentag auftritt. Wenn meine nächste Arbeitsschicht beispielsweise am Mittwoch beginnt, ist der Blues Dienstagabend nicht bei mir. Das ist rätselhaft, was.

Oder ist es bei dir gar nicht so? Kann sein, doch die meisten Menschen empfinden den Sonntag scheinbar ähnlich trüb [Link].

Auch hat der Sonntag-Blues nichts mit dem Alter zu tun, bei mir jedenfalls nicht, denn ihn kannte ich bereits, als ich als Kind noch zur Schule ging. Da wurde die Begründung natürlich auf die Schule geschoben, später auf die Lehre, dann die Arbeit usw., doch wie ich gerade eben hier versucht habe zu beschreiben, KANN dies nicht der tatsächliche Grund sein.

Da ich jetzt schon die Kindheit erwähne, liegt es eventuell dort begründet? Als eine Art Kettenreaktion: Das Kind bekommt den Sonntag-Blues der Eltern mit, wie z.B. Mutters Spinnenphobie, und er wird genauso wie der Ekel vor Spinnen in die Psyche des Kindes übertragen? Hört sich irgendwie überzeugend an, oder?

Mensch sein ist doch ein tagtägliches Rätsel. In diesem Sinne wünsche ich dir dennoch einen angenehmen Montag.

Kommentare:

  1. Der Sonntagsblues war bei mir der Montagsblues, denn heute am Dienstag war mein erster Arbeitstag. Und der ..... War extrem anstrengend , nur Unmengen an Kisten ausgepackt :-)

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  2. Ach jaaa, die neue Schule! Und, wie war's bis aufs Kistenauspacken? Anstrengendes Kistenpacken ist gesund, andere geben da richtig Kohle aus und rennen ins Fitnessstudio :-)

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